Verbot der Botnanger Naturfreunde 1933

Die Spaltung der Arbeiterbewegung in den 30er Jahren hatte zur Folge, dass sich die Mehrheit der Botnanger Naturfreunde der Roten Sporteinheit angeschlossen. Dazu gehörten auch der Gesangverein Freiheit dessen Vereinsheim in der Sommerhalde ebenfalls beschlagnahmt wurde.

Noch für den 3. März 1933 war der Auftritt des Spieltrupps Südwest in der Liederkranzhalle mit Friedrich Wolfs Theaterstück `Bauer Baetz` angekündigt worden. Wolfs Söhne Markus und Konrad gingen zu den Jungen Pionieren der  Internationalen Arbeiterhilfe und er selbst war in den 30en Referent im Natur­freundehaus Römerstein.

Die NSDAP hatte im Stuttgarter Arbeitervorort Botnang wenig zu melden, bekam aber unter den neuen politischen Verhältnissen Oberwasser. Manche Vereine wurden (mehr oder weniger freiwillig) gleichgeschaltet, die linken verboten.

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Im Januar 1933 vor 90 Jahren ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Machtübergabe an die NSDAP wurde von den deutsch-nationalen und völkischen Kräften unterstützt. Es folgten Monte der Gleichschaltung und der Verfolgung aller oppositionellen Kräfte. Auch die Naturfreunde wurden verboten. W. Grytz

Das Vermögen der Naturfreunde, Bargeld, Grundeigentum, Mitgliederlisten, Bücherei und Korrespondenzen wurden konfisziert. Um die Zuständigkeit für das Haus auf der Alb rangelten verschiedene staatliche Ämter. Es wurde schließlich dem Tübinger Schulamt unterstellt. Der Schwäbische Alb Verein kommentierte die Beschlagnahme in seinen Mitteilugen mit eine gehässigen Notiz.

Eine Naturfreundin schildert den 16. Juli 1933 und die die Verhaftung der Mit­glieder des Arbeiterchors Freiheit.
Mit vier Bussen hatten unsre Familien eine Ausfahrt (vermutlich auf die Alb) organisiert. Polizei und SA stoppten die Wagen auf dem Botnanger Sattel und leiteten die Wagen zum Büchsenschmiere, dem Polizeirevier in der Stuttgarter Innenstadt. Frauen und Kinder wurden nachhause geschickt, 43 KPD-Mitglieder, darunter viele Naturfreunde, ins erste württembergische KZ auf den Heuberg verschleppt. Darunter war auch mein Onkel Paul.

Der Botnanger und KPD-Funktionär Walter Häbich wurde 1934 im KZ Dachau ermordet. Seine Urne wurde nach der Übergabe an die Familie auf dem heimischen Friedhof beigesetzt. Das Begräbnis wurde trotz der Anwesenheit der Gestapo, die das Geschehen filmte, zu einer politischen Demonstration gegen den Nationalsozialismus.

Jüngere Mitglieder gingen auch nach dem Verbot des Vereins auf Wanderschaft, trafen sich unauffällig am Ebnisee oder zum Skilauf auf dem Kalten Feld auf der Ost-Alb. Begleitet wurden sie ab und an von einem Genossen in HJ Uniform – das ersparte unangenehme Nachfragen örtlicher Obrigkeiten.

Viele Mitglieder überlebten Diktatur und Krieg, belebten die Ortsgruppe nach 1945 neu und erhielten nach einem Rückerstattungsverfahren auch den Römerstein zurück.

W. Grytz – NaturFreunde Stuttgart-Botnang